Hat der “Dattelner Stummel“ eine eigenständige Verkehrsbedeutung?
Neue Fakten durch Verkehrszählung
der Wählergemeinschaft Die Grünen
“Dattelner Stummel“ heißt in den Reihen der Grünen jener Abschnitt der B 474n, der auf Dattelner Gebiet verläuft und bisher immer der zweite Abschnitt genannt wurde. Und das ist gemeint: Wenn man von Waltrop kommt und die erste Kanalbrücke am Yachthafen bereits überquert hat, soll man demnächst einmal in Höhe der Einmündung „Pelkumer Weg“ nach rechts durch den Wald der Losheide zum Nethöfelberg und zum Kanal an den Sportstätten fahren können, um schließlich vor dem Hof Peveling auf die B 235 zu gelangen (und umgekehrt). Bisher fahren Autofahrer, die z. B. von Waltrop nach Olfen wollen, die Münsterstraße bis zur Südringkreuzung (am Hochhaus) und fahren nach rechts auf dem Ostring aus Datteln heraus.

Der Dattelner Bürgermeister macht sich dafür stark, dass dieses Reststück auf jeden Fall unverzüglich gebaut wird, auch wenn sich das erste Teilstück der B 474n auf Waltroper Gebiet um zwei bis drei Jahre verzögert oder auch wegen politischer Entscheidungen in Waltrop oder zunehmender Finanzknappheit gar nicht mehr gebaut wird und ein Torso bleiben sollte.

Nach der Rechtslage kann ein zweiter Straßenabschnitt nur dann vor dem ersten gebaut werden, wenn er eine „eigenständige Verkehrsbedeutung“ hat und der verkehrliche Nutzen die Kosten und die negativen Begleiterscheinungen deutlich überwiegt.

Dass dies bei diesem Teilstück am Nordostrand Dattelns gegeben ist, stellen Straßengegner in Frage. Zu viele Brücken auf kurzer Strecke, zu hohe Kosten bei der Kanalüberquerung an der Alten Fahrt, zu viele Störungen für Freizeiteinrichtungen und sensible Naturbereiche. Dem steht ein äußerst geringer verkehrlicher Nutzen gegenüber.

Die Kosten, die hohe Wertigkeit des Geländes und die Störwirkungen des Straßenneubaus sind aus früheren Planungsunterlagen hinreichend bekannt. Doch wie steht es um den verkehrlichen Nutzen?

In einer schriftlichen Anfrage im Februar wollte die Wählergemeinschaft von der Dattelner Verwaltung wissen, wie groß wohl der Prozentsatz der Verkehrsteilnehmer ist, die aus Waltrop kommend Datteln nur durchfahren, um ihr eigentliches Ziel Olfen (das Münsterland) zu erreichen (und umgekehrt). Nur diese Verkehrsteilnehmer hätten eine kleine Erleichterung und geringen Zeitgewinn von der neuen Straße, nur diese können eine eigenständige Verkehrsbedeutung begründen.

Mit der Antwort, dazu könne keine Aussage getroffen werden, hielt sich die Verwaltung, wie nicht anders erwartet, zurück.

Verkehrszählung der Wählergemeinschaft Die Grünen am 3. Mai 2005
Wir Dattelner Grünen haben uns mit dem Thema gründlicher beschäftigt und haben uns nicht mit allgemeinen Floskeln zufrieden gegeben. Am 3. Mai 2005 haben wir eine Verkehrszählung vorgenommen, um die Verkehrsmenge zu überprüfen und um den Anteil des Durchgangsverkehr von Olfen nach Waltrop und in der gegenteiligen Fahrtrichtung zu erfassen. Nur dann wird eine bessere Bewertung der Verkehrssituation möglich.

Die Verkehrsmenge auf den beiden Ausfallstraßen nach Waltrop bzw. Olfen sind durch die regelmäßig alle fünf Jahre stattfindenden allgemeinen Verkehrszählungen und gedruckte Verkehrsstärkenkarten gut bekannt. Außerdem gibt es auf der B 235 in Natrop jetzt eine automatische Dauerzählstelle, die rund um die Uhr Verkehrsmenge und Verkehrszusammensetzung erfasst. Die Ergebnisse der automatischen Messstellen sind im Internet abrufbar. Die von uns erfassten Zahlen bewegen sich in der Größenordnung der von der automatischen Messstellen ausgewiesen Zahlen, so dass hier keine wesentlichen Diskrepanzen feststellbar sind. Geringfügige Schwankungen in den Endergebnissen sind dem besonderen Ergebnis des Einzeltages zuzuordnen.

Die Zahlen der automatischen Messstellen erlauben aber keine Rückschlüsse zur Frage, welche Fahrzeuge von Olfen kommend in Richtung Waltrop durchfahren, und welche Fahrzeuge von Waltrop kommend, nach Olfen durchfahren. Aus diesem Grunde haben wir eine spezielle teilanonymisierte Verfolgungszählung durchgeführt, die es ermöglicht hat, den reinen Durchgangsverkehr zu ermitteln.

Zur Methode und zum Ablauf
Das Bundesministerium für Verkehr hat eine umfangreiche Studie „Hochrechnungsfaktoren für manuelle und automatische Kurzzeitzählungen“ veröffentlicht. Darin ist detailliert erklärt, an welchen Wochentagen und in welchen Zeitintervallen Zählungen sinnvoll sind, um mit Hilfe der von den Forschern ermittelten Tagesganglinien und passender Hochrechnungsfaktoren den Durchschnittlichen Tagesverkehr (DTV) zu berechnen. Diesen Angaben folgend haben zeitgleich je zwei Zählteams an der Münsterstraße (an der Stadtgrenze zu Waltrop) und am Ostring (unmittelbar vor der Kanalbrücke) für zwei Zeitintervalle Position bezogen und für jeden Fahrstreifen einzeln die Kennzeichen der Fahrzeuge in teilanonymisierter Form notiert. Mit einem Abgleich der erhobenen Daten kann man dann den Durchgangsverkehr herausfiltern.

Mit Hilfe der so gewonnenen Daten können wir jetzt Aussagen machen
a) über die Verkehrsmenge und die Zusammensetzung PKW/LKW
b) über den prozentualen Anteil des reinen Durchgangsverkehrs in der ermittelten Verkehrsmenge

Zu a) Auf den Ausfallstraßen ist am Ostring im Durchschnitt von zur Zeit täglich 13200 und an der Münsterstraße von 12900 motorisierten Fahrzeugen auszugehen. Der Anteil des Schwerlastverkehrs (LKW+Busse) auf der Strecke von und nach Olfen und von und nach Waltrop lag überraschend niedrig bei 3,78 % bis 6,86 %.

Zu b) Nur 15 bis 19 Prozent des Verkehrsstroms sind Durchgangsverkehr von und nach Olfen bzw. von und nach Waltrop. Das schwankt je nach Fahrtrichtung und Tageszeit.

Wer Einblick in die Zahlenunterlagen nehmen und weitere Auskünfte zum Vorgehen haben möchte, möge sich mit der Wählergemeinschaft in Verbindung setzen.
Das Resümee
Mit den Ergebnissen dieser privaten Verkehrszählung, bei der mit zusätzlichem Aufwand der Anteil des Verkehrs ermittelt wurde, der zwischen Datteln und Waltrop über das Gebiet von Datteln als Durchgangsverkehr unterwegs ist, kann nun die Frage, ob der neu zu bauende “Dattelner Stummel“ eine eigenständige Verkehrsbedeutung hat, erstmals auf Fakten gestützt beurteilt werden. Zwischen 2000 und 2500 Fahrzeuge am Tag sind das Verkehrsaufkommen für das neue Straßenstück. Diese Fahrzeugmenge, die auf den bisherigen Straßen höchstens eine Entlastung von 20 Prozent ausmacht, rechtfertigt im Normalfall keinen Straßenneubau. Und dies erst recht, weil Münsterstraße und Ostring bei gutem Ausbauzustand mit um die 13000 Fahrzeuge zwar viel Verkehr aufweisen, aber eindeutig nicht überlastet sind.

Nach unserem Informationsstand ist das Kosten-Nutzen Verhältnis für diesen Dattelner Abschnitt noch nicht im Detail berechnet worden. Dieses Straßenstück steht im jetzt gültigen Bundesverkehrswegeplan nur deshalb mit einer hohen Priorität, weil bei der Erarbeitung des Planes Straßenprojekte aus NRW , die in früheren Strukturförderungsprogrammen des Landes benannt waren, ohne weitere detaillierte Einzelprüfung übernommen wurden. Wir sind uns sicher, dass eine Kosten-Nutzen Prüfung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens oder anschließend vor dem Verwaltungsgericht Gericht zu dem Ergebnis kommen wird, dass dem isolierten zweiten B474n-Teilstück auf Dattelner Gebiet die Rechtsgrundlage fehlt. Weil die Aussicht auf Erfolg so groß ist, ist zu erwarten, dass sich betroffene Anlieger im Dattelner Norden mit einer Klage gegen den Straßenneubau wehren.

Diese Aussagen beziehen sich alle ausdrücklich auf den Fall, dass der erste Bauabschnitt der B 474n auf Waltroper Gebiet nicht existiert und das gegenwärtige Straßennetz nur durch diesen neuen Dattelner Stummel ergänzt wird und die großräumige Verkehrsverteilung in unserer Region sich aufgrund des Stummels nicht wesentlich verändert.
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