Innenstadtentwicklung und Mobilitaet

Die Dattelner Grünen plädieren für einen autofreien Tigg

Verkehrsschild "Lieferverkehr frei" am Eingang zum Tigg in der Dattelner Innenstadt.
Foto: Theodor Beckmann | Einfahrt zum Tigg mit Hinweis zur autofreien Verkehrsregelung mit Ausnahme des Lieferverkehr

Über die Zukunft des Tiggs wird schon seit Längerem rege debattiert. Als Kommunalpolitiker sind wir mit den unterschiedlichsten Ansichten und Meinungen konfrontiert. Da ist das Planungsbüro weihrauch+partner, das uns vor drei Jahren einen bunten Entwurf für die Umgestaltung des Tiggs geliefert hat; da ist der Fördermittelgeber, der bestimmte ökologische Vorgaben für die Mittelfreigabe formuliert hat; da sind die politischen Mitbewerber mit ihren zum Teil extremen, zum Teil aber auch differenzierten Vorstellungen; da sind die Betroffenen, die Einzelhändler, Gastronomen, Passanten, die ihre spezifischen Interessen einbringen; da sind der Vorstand der Werbegemeinschaft oder die Vorsitzenden des Vereins „Lebendiger Tigg e.V.“ mit ihren Erfahrungen. 

Habe ich einen vergessen? Ach ja, da ist ja noch der Verkehrsgutachter, der uns in seinem Vortrag zugesichert hat, dass eine Sperrung des Tiggs für den motorisierten Individualverkehr nicht zu unzumutbaren Verkehrsverlagerungen im restlichen Stadtgebiet führen wird. Alle diese Stimmen tragen mit zu dem Bild bei, das sich bei uns zusammensetzt, sie alle liefern Ideen und Gedanken, die letztendlich unseren Abwägungsprozess beeinflussen.

Uns Grüne setzt man in der Regel gleich mit den „Autofeinden“, den Freunden des nichtmotorisierten Individualverkehrs. Dabei wissen auch wir, dass viele Menschen gerade im ländlichen, nichtgroßstädtischen Raum schwerlich auf ihr Auto verzichten können: der Öffentliche Personen-Nahverkehr ist gerade hier bisher leider nur unzureichend ausgebaut. 

Deshalb verstehen wir auch den Wunsch nach Parkplätzen in der Nähe der Dattelner Innenstadt. Diese Stellplätze müssen aber nicht überall in unserer – verglichen mit Dortmund oder Essen – doch recht überschaubaren Innenstadt angeboten werden, sie können an vier bis fünf gut erreichbaren Plätzen konzentriert werden. Um die Erreichbarkeit der Geschäfte und der Gastronomie im Zentrum zu gewährleisten, haben wir dem Erhalt des Schemm als zentrale große Parkplatzfläche zugestimmt, neben den Flächen an der Stadtgalerie, an der Volksbank, am Krankenhaus, am Türkenort oder bei Danielsmeier. 

Bei der Vielzahl an fußläufig erreichbaren Alternativen können die Parkplätze in der Hohen Straße vor Action getrost wegfallen, ohne Action – oder andere Einzelhändler oder Gastronomen – zu gefährden: denn immer wieder kommt es hier zu kritischen Situationen zwischen Autos und Fußgängern durch Autos, die dort nach Parkplätzen suchen, durch Wendemanöver und durch die Notwendigkeit, dass Autos rückwärts in die Fußgängerzone ausparken müssen.

Bei einer Gesamtbetrachtung der Dattelner Innenstadt hat sich bei unserem Abwägungsprozess als zumutbarer Kompromiss das Fazit ergeben, den drei großen Plätzen im Zentrum der Stadt drei verschiedene Funktionen zuzuweisen: den Neumarkt sehen wir als Marktplatz (z.B. Wochenmarkt), den Schemm sehen wir als Parkplatz und den Tigg sehen wir als autofreien Aufenthaltsraum für die Menschen, ökologisch und klimaangepasst gestaltet durch reichlich Grün, mehr Wasser und zusätzliche Sitzmöglichkeiten. 

Denn innerstädtische Straßen und Plätze sind nicht nur für den Autoverkehr wichtig, sondern sie dienen auch als öffentliche Räume für Aufenthalt und Kommunikation. Sie prägen das Stadtbild und beeinflussen die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Stadt. Insofern begrüßen wir die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung des Kleinklimas: sie machen die Innenstadt attraktiver und lebenswerter.

20. Februar 2026 | Stellungnahme des Ortsverbands