Nach Razzia bei Bernemann: Fragen bleiben offen
Am 1. März 2023 durchsuchten rund 150 Polizeibeamte das Gelände der Bernemann GmbH in Datteln. Der Verdacht: illegale Entsorgung von Asbest. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt wegen des Verdachts der Umweltkriminalität.
Die Razzia wirft viele Fragen auf – nicht nur zum konkreten Fall, sondern auch zur Kontrolle von Entsorgungsunternehmen generell.
Was ist passiert?
Nach Informationen der Polizei besteht der Verdacht, dass die Firma Bernemann über einen längeren Zeitraum asbesthaltige Abfälle unsachgemäß entsorgt hat. Asbest ist ein hochgefährlicher Stoff, der strengen Entsorgungsvorschriften unterliegt.
Bei der Razzia wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt – darunter Computer, Unterlagen und Materialproben. Die Ermittlungen dauern an. Bisher gilt die Unschuldsvermutung.
Warum ist Asbest so gefährlich?
Asbest ist ein faserförmiges Mineral, das bis in die 1990er Jahre häufig als Baustoff verwendet wurde – etwa in Dach- und Fassadenplatten, Bodenbelägen und Brandschutzverkleidungen.
Erst später wurde bekannt, dass Asbestfasern hochgefährlich sind: Eingeatmet können sie schwere Lungenerkrankungen verursachen – bis hin zu Lungenkrebs und Asbestose. Die Erkrankungen treten oft erst Jahrzehnte nach der Exposition auf.
Seit den 1990er Jahren ist die Verwendung von Asbest in Deutschland verboten. Doch in vielen älteren Gebäuden ist Asbest noch verbaut. Bei Sanierungen und Abrissen muss er fachgerecht entfernt und entsorgt werden – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.
Die Entsorgung von Asbest
Asbesthaltige Abfälle müssen in speziellen Deponien entsorgt werden. Sie dürfen nicht mit anderem Bauschutt vermischt werden. Die Entsorgung ist teuer – je nach Material und Menge können pro Tonne mehrere hundert Euro anfallen.
Dies schafft Anreize für unseriöse Unternehmen, Asbest illegal zu entsorgen – etwa durch Vermischung mit normalem Bauschutt oder illegale Deponierung.
Wie gut sind die Kontrollen?
Die Razzia bei Bernemann zeigt: Offenbar gibt es Lücken bei der Überwachung von Entsorgungsunternehmen. Wie konnte es sein, dass über längere Zeit illegal entsorgt wurde, ohne dass die Behörden eingriffen?
Die Grünen Datteln fordern eine Aufklärung und ziehen Konsequenzen:
1. Lückenlose Aufklärung
Der Fall muss vollständig aufgeklärt werden. Alle Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Rolle der Aufsichtsbehörden muss untersucht werden.
2. Strengere Kontrollen
Entsorgungsunternehmen müssen häufiger und intensiver kontrolliert werden. Die zuständigen Behörden brauchen mehr Personal und Befugnisse.
3. Schutz der Anwohner
Es muss geprüft werden, ob durch die illegale Entsorgung eine Gefahr für Anwohner bestand. Wenn nötig, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
4. Härter bestrafen
Umweltkriminalität muss härter bestraft werden. Die Bußgelder und Strafen müssen so hoch sein, dass sich illegale Entsorgung nicht lohnt.
5. Aufklärung und Prävention
Bauherren und Hausbesitzer müssen besser über die Gefahren von Asbest und die Pflichten bei Sanierungen informiert werden. Nur so kann verhindert werden, dass unseriöse Unternehmen beauftragt werden.
Entsorgungsbranche in der Kritik
Der Fall Bernemann ist kein Einzelfall. Immer wieder gibt es Berichte über illegale Müllentsorgung und Umweltkriminalität. Die Entsorgungsbranche ist teilweise von kriminellen Strukturen durchsetzt.
„Wir brauchen eine ehrliche Entsorgungswirtschaft“, fordert die Fraktion der Grünen. „Unternehmen, die sich an die Regeln halten, dürfen nicht durch Preisdumping illegaler Entsorger benachteiligt werden. Der Staat muss durch konsequente Kontrollen und Strafverfolgung für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen.“
Was können Bürger tun?
Wer ein älteres Haus sanieren will, sollte unbedingt prüfen lassen, ob Asbest verbaut ist. Die Entfernung darf nur von zertifizierten Fachfirmen durchgeführt werden.
Bei der Auswahl einer Entsorgungsfirma sollte man nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch auf Zertifizierungen und Referenzen. Verdächtig günstige Angebote können ein Hinweis auf unseriöse Entsorgung sein.
Bei Verdacht auf illegale Entsorgung sollte die Umweltbehörde oder Polizei informiert werden.
Weitere Informationen:
Informationen zu Asbest und dessen Entsorgung bietet die Website des Umweltbundesamtes: www.umweltbundesamt.de
Kontakt:
Bündnis 90/Die Grünen Datteln
Hohe Straße 9, 45711 Datteln
E-Mail: info@gruene-datteln.de
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