Aus England, dem Land des kurzen grünen Rasens, stammt übrigens der Trend zum „Mähfreien Mai“ („No Mow May“). Im Jahr 2019 startete die britische Naturschutzorganisation „Plantlife“ den Aufruf, im Mai den Rasenmäher abzuschalten und so die Umwelt zu schützen. In einer Studie konnten englische Forscherinnen und Forscher zeigen, dass durch den „Mähfreien Mai“ das Nektar- und Pollenangebot für Insekten deutlich zunimmt. Seltenes Mähen schafft zudem mehr Vielfalt bei den Pflanzenarten. In einigen Gemeinden in den Niederlanden ist das Mähen im Mai mittlerweile sogar gesetzlich verboten – so überzeugend sind die Effekte!

Weil die Wirkung des „Mähfreien Mais“ so überzeugend ist, hat die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rat der Stadt Datteln den folgenden Antrag gestellt:
1. Die Stadt Datteln setzt im Monat Mai auf geeigneten städtischen Flächen (insbesondere öffentliche Grünflächen, Wegesränder, Randstreifen, Grünzüge, Parkflächen, straßenbegleitendes Grün) grundsätzlich einen Verzicht auf die Mahd („Mähfreier Mai“) um.
2. Ausnahmen sind zulässig, wenn und soweit dies erforderlich ist zur
a) Abwehr von Gefahren,
b) Sicherstellung der Verkehrssicherheit, insbesondere bei Sichtdreiecken, Kreuzungsbereichen, Ein- und Ausfahrten, Haltestellen, Querungshilfen,
c) Vermeidung von Sichtbehinderungen und zur Sicherung der Wege- und Flächennutzbarkeit.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, den „Mähfreien Mai“ fachlich zu evaluieren und dem Rat / zuständigen Ausschuss darüber zu berichten, insbesondere zu:
• möglichen Einsparungen beim Bewässerungsbedarf (Wassereinsatz) durch längere Vegetationshöhen,
• Auswirkungen auf die Trockenheitsresilienz der Flächen,
• Biodiversitätsaspekten (Insektenfreundlichkeit, Blühphasen),
• organisatorischen Auswirkungen für den KSD (Arbeitsabläufe, Priorisierung, Kosten).
4. Die Verwaltung prüft auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse, ob und in welchem Umfang eine ganzjährige Reduzierung der Mähfrequenz auf geeigneten städtischen Flächen möglich ist, ohne die Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit zu beeinträchtigen, und legt hierfür ein Konzept mit Flächenkategorien (z.B. intensiv gepflegt / extensiv gepflegt) vor.

Gerade in Zeiten rückläufiger Artenvielfalt kann die Stadt Datteln mit einer vergleichsweise einfachen Maßnahme ein sichtbares Zeichen für Biodiversität und Naturschutz im Siedlungsraum setzen.
Darüber hinaus kann eine reduzierte Mahd einen Beitrag zur Klimaanpassung leisten: längere Halme und eine dichtere Vegetationsdecke können den Boden beschatten, die Verdunstung reduzieren und damit die Flächen trockenheitsresistenter machen. Dies kann sich positiv auf den Bewässerungsbedarf auswirken und angesichts zunehmend trockener Sommer zu einem effizienteren Umgang mit Ressourcen, insbesondere Wasser, beitragen.
Die vorgeschlagenen Ausnahmen stellen sicher, das Verkehrssicherheit, Sichtachsen und Gefahrenabwehr jederzeit Vorrang haben. Durch eine begleitende Evaluation kann die Stadt fundiert entscheiden, ob eine dauerhafte, flächendifferenzierte Reduzierung der Mähfrequenz sinnvoll und praktikabel ist.