Umwelt und Artenschutz

Blühende Wiesen schützen Insekten und Artenvielfalt

Im Klima-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsausschuss ist heute (14.04.) unser Antrag zum „Mähfreien Mai“ beraten worden. Wir hatten diesen Antrag gestellt, weil Insekten weltweit in einem alarmierend schlechten Zustand sind. Die Bestände gehen zurück, die Vielfalt schwindet, Arten sterben aus. Betroffen sind etwa die Familien der Wildbienen und Schmetterlinge. Da sie nicht nur zum Bestäuben beispielsweise von Obstbäumen, sondern auch als Nahrung für viele andere Tierarten eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, gilt es Lebensräume zu erhalten und neu zu schaffen.

Zur Lösung dieser Misere könnte eine Idee mithelfen, die ursprünglich in Großbritannien ihren Ursprung hatte: der „No Mow May“, also der „Mähfreie Mai“. Dass diese Initiative zu einer nachhaltigeren, ökologischeren Mahd gerade in England, einem Land, das eigentlich für seine gepflegten, kurz geschnittenen Rasenflächen bekannt ist, als Gegenbewegung zu diesen ökologisch wertlosen Flächen entstanden ist, kann kaum überraschen.

Inzwischen ist die Aktion „Mähfreier Mai“ auch in Deutschland angekommen. So ruft zum Beispiel die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft dazu auf, auch hierzulande den Rasen im Mai einfach wachsen zu lassen.

Ziel dieser Aktion eines „Mähfreien Mais“ ist es, die Artenvielfalt zu fördern. Fachleute weisen darauf hin, dass sich im Mai viele Wildblumen entwickeln und zahlreiche Insektenarten noch nicht geschlüpft sind. Durch das Stehenlassen von Blumen wie Taubnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn entsteht eine Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Deshalb möchten wir Dattelner Grüne, dass auf städtischen Grünflächen das Gras im Mai nicht gemäht wird. Natürlich muss es Ausnahmen zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit und zur Vermeidung von Sichtbehinderungen geben.

Wir entnehmen der Sitzungsvorlage, dass sich die Verwaltung intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Wir unterstützen die Stadt Datteln bei ihrem Bestreben, verstärkt Wert auf Nachhaltigkeitsaspekte in allen Bereichen zu legen und unseren Antrag „Mähfreier Mai“ als Teil einer strategischen, langfristig angelegten Ausrichtung hin zu einem naturnahen Grünflächenmanagement (NGFM) betrachtet. Wir teilen die Auffassung der Verwaltung, dass durch die Umstellung auf naturnahe Pflege langfristig die Biodiversität gefördert, das Stadtklima verbessert sowie Lärmemissionen durch reduzierte Pflegearbeit verringert werden sollen. Es liegt auch in unserem Interesse, die Pflegekosten langfristig zu reduzieren. 

Dass die Umsetzung dieser Maßnahmen wieder einmal so lange dauert, freut uns natürlich nicht, aber es ist wohl die ständige Begleiterscheinung förderfähiger Projekte, dass zwischen Beschluss und endgültige Verwirklichung so viele Monate ins Land streichen.

Dem Alternativvorschlag der Verwaltung, dass die Stadt Datteln ein naturnahes Grünflächenmanagement erstellt und dass der Rat die Mittel für die beschriebenen Maßnahmen zur Verfügung stellt, werden wir – trotz der für uns endlos erscheinenden Zeitspanne von zwei Jahren – als Dattelner Grüne zustimmen, auch deshalb, damit Bewegung in eine Sache kommt, die unbedingt umgesetzt werden sollte. Studien zeigen nämlich, dass sich der Nektar, der Insekten auf Rasenflächen zur Verfügung steht, durch die Aktion um ein Zehnfaches erhöht.

Dass Frau König in der Ausschusssitzung angedeutet hat, doch noch parallel zur langfristigen Umsetzung der Maßnahme kurzfristig nach einer geeigneten Testfläche im Stadtgebiet zu suchen, haben wir wohlwollend zur Kenntnis genommen. Denn uns konnte die Haltung der Stadt nicht überzeugen, die in der Sitzungsvorlage zum Ausdruck kommt, für dieses Jahr keine Testfläche einrichten zu können. Jede noch so kleine Fläche, auf der hohes Gras wächst, ist für Insekten eine Hilfe. Und je mehr Menschen und Institutionen bei der Aktion mitmachen, umso größer ist der Gewinn für die Umwelt. Eine solche Testfläche hätten wir gerne gesehen, denn die Stadt hat auch eine Vorbildfunktion für private Gartenbesitzer zu erfüllen. Wir hätten uns hier mehr Flexibilität gewünscht und erwartet, die „bereits bestehende Einsatzplanung zur konventionellen Bewirtschaftung der Grünanlagen“ leicht zu modifizieren. An fehlenden Geräten zur Rasenmahd kann es doch nicht scheitern.

Über den Schluss der Sitzungsvorlage freuen wir uns ganz besonders, denn er strahlt Zuversicht aus: „Als Fazit lässt sich auf Grundlage der Rückmeldungen angefragter Städte festhalten, dass anfängliche hohe Umstellungskosten einzuplanen sind. Langfristig sind jedoch in der Pflege und Bewirtschaftung finanzielle Einsparungen in Höhe von etwa 30 bis 50 Prozent zu erwarten.“

Mai 2026 | Beitrag des Ortsverbands